Der Mindestradius ist der engste Bogen, den ein Fahrzeug noch sicher durchfährt. Er ist die häufigste Ursache dafür, dass ein schönes Modell auf der eigenen Anlage nicht läuft — und die Angabe, die man vor dem Kauf am ehesten übersieht.
Was der Radius beschreibt
Stell Dir einen vollständigen Kreis aus gebogenen Gleisen vor. Der Radius ist der Abstand vom Mittelpunkt dieses Kreises bis zur Mitte des Gleises. Ein kleiner Radius bedeutet einen engen Kreis, ein großer Radius einen weiten. Bei einem Bogen aus mehreren Gleisstücken kommt zum Radius der Bogenwinkel: 30 Grad heißt, dass zwölf solche Stücke einen vollen Kreis ergeben.
Woran der Mindestradius hängt
Nicht die Baugröße allein entscheidet, sondern das einzelne Fahrzeug:
- Länge über Puffer. Je länger das Fahrzeug, desto weiter muss der Bogen sein. Ein vierachsiger Reisezugwagen braucht mehr als ein zweiachsiger Güterwagen.
- Achsstand und Drehgestelle. Fest im Rahmen gelagerte Achsen sind unempfindlicher als ein langer Radstand ohne Seitenspiel.
- Kupplung und Kupplungskinematik. Eine Kurzkupplungskulisse lässt die Wagen im Bogen auseinanderwandern. Ohne sie stößt im engen Bogen Puffer an Puffer.
- Vorbauten und Schneepflüge. Angebaute Teile können im Bogen am Nachbargleis oder am Bahnsteig streifen, obwohl das Fahrzeug selbst durchkommt.
- Was daneben steht. Im Bogen braucht ein Zug mehr Platz zur Seite als in der Geraden. Bahnsteigkanten, Tunnelportale und Brücken sind deshalb der zweite Engpass.
Warum wir den Wert in Millimetern nennen
Die Kurzzeichen R1, R2 und R3 stehen bei jedem Gleissystem für andere Radien. Beim Märklin C-Gleis zum Beispiel bedeuten sie:
Bei einem anderen Hersteller oder in einer anderen Baugröße ergibt dasselbe Kurzzeichen einen ganz anderen Bogen. Deshalb steht in unseren Artikelbeschreibungen der Wert in Millimetern, wo der Hersteller ihn veröffentlicht — und nicht nur die Nummer.
Gut zu wissen: Wenn der Hersteller keinen Mindestradius angibt, schreiben wir keinen hin. Eine geschätzte Zahl wäre an dieser Stelle schlimmer als keine.
So misst Du Deinen engsten Bogen
- Suche die engste Kurve Deiner Anlage. Meistens ist es eine Kehre am Anlagenende oder eine Gleiswendel.
- Lege einen Faden von der Gleismitte zur Bogenmitte, oder lies das Kurzzeichen vom Gleisstück ab und schlage den Wert im Katalog Deines Gleissystems nach.
- Notiere Dir diese eine Zahl. Sie ist Deine Obergrenze für jeden weiteren Kauf.
Tipp von BraucheModellbahn: Miss zusätzlich den engsten Bogen, in dem zwei Gleise parallel liegen, und den Abstand zum nächsten festen Bauteil. Viele Entgleisungen sind keine Radiusfrage, sondern eine Platzfrage.
Wenn es knapp wird
Ein Fahrzeug, dessen Mindestradius größer ist als Dein engster Bogen, fährt oft trotzdem — langsam, allein und ohne Zuglast. Zuverlässig wird es nicht. Ehrlicher ist es, im Bogen eine Stufe größer zu bauen oder ein Fahrzeug zu wählen, das dazu passt. Wir sagen Dir gern vorab, ob eine Kombination realistisch ist.