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Trasse und Rohbau

Landschaftsbau · Anleitung

Bevor Gras wächst, muss Gelände da sein. Wie aus einer flachen Platte eine Trasse mit Umfeld wird – und warum man dabei Löcher stehen lässt.

✓  Gelände aufbauen, ohne das Modul schwer zu machen ✓  Flächen aussparen, die später Belag bekommen ✓  Die Stellprobe, die eine Woche Arbeit rettet
Aufbaustufe Zeit: ein Tag Arbeit, verteilt auf drei Sitzungen wegen der Trocknung Material: vier Positionen Fläche: ein Segment von etwa 80 cm

Die drei Sätze, wenn du’s eilig hast

Baue das Gelände mit einer ultraleichten Spachtelmasse auf, nicht mit Gips – sie schrumpft nicht, reißt nicht und lässt das Modul tragbar. Lass dabei jede Fläche frei, die später einen Belag bekommt: Bahnsteig, Straße, Pflaster. Und stelle das größte Gebäude probeweise auf, bevor du weiterarbeitest.

Warum diese Phase übersprungen wird

Der Rohbau ist die einzige Bauphase, die niemand fotografiert und jeder hinter sich bringen will. Sie sieht nach nichts aus: eine weiße, krümelige Fläche, aus der ein Gleis herausschaut. Genau hier entscheidet sich aber, ob das Ergebnis stimmt – denn Fehler in dieser Schicht kann man später nicht mehr korrigieren, ohne alles darüber abzuräumen.

Zwei Entscheidungen fällt man hier, oft ohne zu merken, dass es Entscheidungen sind: womit das Gelände aufgebaut wird, und welche Flächen frei bleiben. Beides ist unten je ein eigener Schritt.

Warum nicht Gips

Gewicht Ein Modul, das man zu zwei Personen tragen muss, wird nicht mehr getragen – und damit nicht mehr ausgestellt. Bei Segmenten und Modulen ist das der wichtigste Punkt.
Schwund und Risse Dicke Gipslagen reißen beim Trocknen. Eine Spachtelmasse, die in beliebiger Schichtdicke arbeitet, erspart das Nacharbeiten.
Bearbeitbarkeit Nach dem Durchtrocknen lässt sich die Masse schneiden, schleifen, stanzen und gravieren – ähnlich wie Hartschaum. Genau das braucht man für Wegeinschnitte und Fundamentkanten.

Acht Schritte

Die Aufnahmen stammen aus zwei Sitzungen: der Rohbau und die Stellprobe vom 19. August, Wash und Randgestaltung vom 29. Juli an einem vergleichbaren Abschnitt.

SCHRITT 1

Gelände aufziehen

Die Spachtelmasse wird auf die Platte aufgezogen und modelliert – Böschung zum Gleis, leichte Senken, ein Höhenversatz zur Modulkante. Wir arbeiten mit dem BERGSWERK 84011: gebrauchsfertig, wasserbasiert, ausgesprochen leicht und von fluffiger Konsistenz.

Nicht glatt ziehen. Eine Landschaft hat keine gespachtelte Wand-Oberfläche, und jede Struktur, die jetzt entsteht, spart später Material.

Becher Modellbauspachtel neben Belagsplatten auf der Werkbank
Der Modellbauspachtel von BERGSWERK, daneben die Belagsplatten, die später in die Fläche wandern.

SCHRITT 2

Die Flächen aussparen, die Belag bekommen

Das ist der Schritt, der diesen Beitrag trägt. Wo später Pflaster, Bahnsteig oder Straße liegt, wird die Spachtelmasse nicht aufgezogen – sondern eine Vertiefung in genau der Dicke des späteren Belags freigehalten. Dann liegt das Pflaster hinterher in der Fläche und nicht darauf.

Am einfachsten mit dem Belagsstück selbst als Lehre: einlegen, Masse ringsherum anziehen, Stück wieder herausnehmen.

Weiße Spachtelfläche mit bündig eingesetztem Pflasterfeld
Das Pflasterfeld liegt in der Spachtelfläche, nicht darauf – das ist die Erkenntnis, die viel Nacharbeit erspart.

SCHRITT 3

Durchtrocknen lassen – und dann bearbeiten

Erst nach dem vollständigen Durchtrocknen wird geschnitten und geschliffen: Kanten der Aussparungen schärfen, Böschungswinkel korrigieren, Wegeinschnitte gravieren. Die Masse verhält sich dabei ähnlich wie Hartschaum.

Geduld an dieser Stelle ist billiger als Nacharbeit. Eine dicke Lage braucht länger, als die Oberfläche vermuten lässt.

Modulsegment im Rohbau mit Aussparungen für Gleis und Straßenbelag
Das Segment im Rohbau: die Aussparungen für Gleis und Belag sind schon vorhanden.

SCHRITT 4

Schotter mit dem Pinsel verteilen

Der Schotter kommt in kleinen Portionen aufs Gleis und wird mit einem flachen Pinsel verteilt – zwischen die Schwellen, an die Flanken, dann das Profil freiräumen. Wir nehmen MBZ 59502, Marmorschotter schwarz, 0,6 bis 1,0 mm.

Nie aus der Tüte schütten. Der Pinsel entscheidet über das Profil, und das Profil entscheidet, ob es echt wirkt.

Flachpinsel verteilt Schotter am Bahnkörper
Der Schotter wird mit dem Flachpinsel verteilt und in Form gezogen.

SCHRITT 5

Schotter fixieren

Erst wenn das Profil sitzt, wird fixiert – aufgeträufelt oder fein zerstäubt, nie gestrichen. MIFOTACK ist dafür ausdrücklich vorgesehen und mit Wasser verdünnbar; alternativ ein flexibler Schotterkleber.

Schienenköpfe, Weichenzungen und elektrische Kontakte freihalten, Anlage spannungsfrei schalten. Über Nacht trocknen.

Kleberflasche zieht eine Raupe entlang des verlegten Gleises
Die Kleberraupe läuft entlang des Gleises.

SCHRITT 6

Den Schotter mit einem Wash beruhigen

Frischer Schotter ist zu gleichmäßig. Ein dünnes, stark verdünntes Wash in Erd- oder Rostton läuft in die Zwischenräume, dunkelt die Gleismitte ab und lässt die Flanken heller – dieselbe Verteilung, die ein befahrenes Gleis beim Vorbild hat.

Wichtig ist nicht das Etikett, sondern die Verdünnung: So dünn, dass die Flüssigkeit von selbst in die Fugen läuft und auf den Kanten fast nichts zurückbleibt. Zwei sehr dünne Durchgänge sind besser als einer, der deckt.

Abschnittweise arbeiten und zwischendurch aus Modellaugenhöhe prüfen. Ein Wash lässt sich aufbauen, aber nicht zurücknehmen.

Fläschchen mit dunklem Wash am geschotterten Gleis
Ein dünner Wash nimmt dem frischen Schotter das Neue.

SCHRITT 7

Den Rand vorbereiten

Dort, wo später Vegetation anschließt, kommt jetzt miniNatur 400-13 Erde fein auf die Kante zwischen Schotterböschung und Gelände. Das ist die Schicht, in die die Grasmatte später eingedrückt wird – ohne sie bleibt jede Mattenkante sichtbar.

Wer diesen Schritt jetzt macht, spart sich später das Kaschieren. Wer ihn überspringt, kaschiert dauerhaft.

Streudose mit feiner Erde am Bahndamm neben dem Gleis
Feine Erde am Bahndamm, dort wo Schotter in Gelände übergeht.

SCHRITT 8

Stellprobe, bevor es weitergeht

Das größte Gebäude wird aufgestellt – unverklebt, in zwei oder drei Positionen, jeweils mit einem Blick von der späteren Betrachterseite. Erst dabei sieht man, ob das Umfeld reicht, ob die Zufahrt Sinn hat und ob das Haus die Bahn erdrückt.

Diese zehn Minuten sind die billigste Versicherung im ganzen Anlagenbau. Ein verschobenes Gebäude kostet jetzt nichts und später eine Woche.

Großes Gebäudemodell zur Stellprobe auf dem Segment
Stellprobe mit dem großen Gebäude, bevor irgendetwas festgeklebt wird.
Grundlagen · Trasse, Segment, Wash – was heißt das?

Die Trasse ist der Streifen, auf dem das Gleis liegt – beim Vorbild der Bahnkörper mit Planum und Schotterbett. Im Modell meint man damit meist den Unterbau samt Korkstreifen.

Ein Segment ist ein Anlagenteil, der zu einer festen Anlage gehört, aber getrennt gebaut und transportiert werden kann. Ein Modul hat zusätzlich genormte Kopfstücke, damit es an andere passt.

Ein Wash ist stark verdünnte Farbe, die von selbst in Vertiefungen läuft und dort dunkler stehen bleibt. Es erzeugt Tiefe. Das Gegenstück ist Drybrush, das Kanten aufhellt. Diese zwei Begriffe reichen für neunzig Prozent aller Alterungsarbeiten.

Für Fortgeschrittene · Schichtdicken, Aussparungstiefe, Gewicht

Die Aussparung so tief wie der Belag. Miss das Belagsstück mit dem Messschieber, bevor du spachtelst. Ein Pflasterfeld, das einen halben Millimeter zu hoch liegt, wirft im Streiflicht einen Schatten, den man in jedem Foto sieht – und Streiflicht ist genau, was auf Ausstellungen herrscht.

Zwei Lagen statt einer. Auch eine schwundfreie Masse trocknet in dicker Lage langsam durch. Grobform in einer ersten Lage, nach dem Antrocknen die Feinform – das geht schneller als eine dicke Lage und lässt sich besser modellieren.

Gewicht rechnen, nicht schätzen. Wer mehrere Segmente baut, wiegt das erste fertige und rechnet hoch. Die Entscheidung für eine leichte Masse fällt man am ersten Segment, nicht am vierten.

Reihenfolge Wash und Fixierung. Erst fixieren, dann Wash – sonst schwimmt der Schotter im Wash weg. Wer beides zusammenlegen will, kann Pigment direkt in den verdünnten Kleber geben; das ist schneller, aber nicht mehr korrigierbar.

Gut zu wissen

Spachtelmasse im Weichenbereich ist der teuerste Fehler dieser Bauphase. Zungen, Stellschwellen und Herzstück bleiben vollständig frei – im Zweifel die Weiche vor dem Spachteln abkleben. Trockene Masse aus einer Weiche zu holen, ohne sie zu beschädigen, ist praktisch unmöglich.

Drei Fehler, die wir immer wieder sehen

1 · Erst spachteln, dann überlegen, wo der Bahnsteig hinkommt

Dann liegt jeder Belag oben auf und ist als Platte erkennbar. Die Aussparung gehört in dieselbe Arbeit wie das Gelände, nicht danach.

2 · Den Schotter aus der Tüte schütten

Das gibt eine Schüttung, keinen Oberbau. Es dauert mit dem Pinsel kaum länger und sieht völlig anders aus – das Profil ist der ganze Unterschied.

3 · Die Stellprobe weglassen

Gebäude werden nach Plan gesetzt und wirken dann falsch, weil der Plan von oben gedacht ist und der Betrachter von der Seite schaut. Zehn Minuten Hinstellen ersetzen jede Zeichnung.

Was du dafür brauchst

Vier Positionen. Drei davon reichen für mehrere Segmente.

Position Wofür Preis
BERGSWERK 84011
Ultraleichter Modellbauspachtel, wasserbasiert, 500 ml
Schritte 1 bis 3, Gelände und Aussparungen 14,90 €
MBZ 59502
Schotter Marmor schwarz, 0,6–1,0 mm, 250 g
Schritt 4, Oberbau 5,50 €
Scape Supplies 200001 MIFOTACK
Allround-Kleber, 250 ml · N11320
Schritt 5, Schotter fixieren 14,99 €
miniNatur 400-13 Erde fein
250 ml
Schritt 7, Rand vorbereiten 5,00 €
Zusammen Drei davon reichen für mehrere Segmente 40,39 €

Zum Wash in Schritt 6: Dafür reicht jede matte Farbe in Erd- oder Rostton, stark mit Wasser oder dem passenden Verdünner angesetzt – auch eine Restfarbe aus dem Schrank. Fertig angemischte Washes nehmen wir demnächst ins Sortiment; dann steht hier ein konkreter Artikel.

Dazu aus der Werkstatt: ein flacher Pinsel für den Schotter, ein Spachtel oder Palettenmesser, Schleifpapier in mittlerer Körnung, ein Messschieber für die Aussparungstiefe und Klebeband zum Abkleben der Weichen.

Häufige Fragen

Wie viel Spachtelmasse brauche ich?
Das hängt vollständig von der Geländehöhe ab – eine flache Böschung neben dem Gleis verbraucht wenig, ein Hügel viel. Verlässliche Zahlen bekommst du nur am eigenen Objekt: erste Dose an einem Segment verarbeiten, Rest wiegen, hochrechnen. Wir tragen unsere Messwerte nach, sobald wir eine Serie durchhaben.
Kann ich auch auf Styrodur direkt spachteln?
Ja, das ist der übliche Weg: Grobform aus XPS schneiden, dann dünn überspachteln. Die Masse schließt die Poren des Schaums und nimmt anschließend Farbe gleichmäßig an, was der nackte Schaum nicht tut.
Muss der Schotter schwarz sein?
Nein – die Farbe folgt dem Vorbild der Region und der Epoche. Dunkler Marmorschotter passt zu vielen deutschen Hauptstrecken; ein Nebengleis ist heller, staubiger und ungleichmäßiger. Wichtig ist nur, dass er nach dem Wash nicht mehr überall gleich aussieht.
Meine Spachtelmasse ist gerissen. Woran liegt das?
Bei einer schwundfreien Masse liegt es fast immer am Untergrund: Er arbeitet, weil Holz auf Feuchtigkeit reagiert, oder eine Fuge im Unterbau bewegt sich. Fugen vorher schließen und größere Flächen nicht über eine Segmentgrenze hinweg spachteln.
Kann ich das Gleis nachträglich noch verschieben?
Nach dem Spachteln praktisch nicht mehr, nach dem Schottern gar nicht. Deshalb gehören Gleislage und Betriebsprobe vor diesen Beitrag: Jede Weiche schalten, jede Fahrstraße durchfahren, längstes Fahrzeug durch die engsten Bögen schicken. Danach wird gespachtelt.

Weiter im Bauablauf →

Die Grasmatte einpassen – der nächste Schritt auf demselben Segment.

Einen Schritt zurück →

Gleisplan und Planung – was vor dem Rohbau entschieden wird.

Du baust ein Segment und bist unsicher bei der Reihenfolge?

Schick uns ein Foto vom Stand und schreib, was als Nächstes dran ist. Wir sagen dir, was wir an der Stelle machen würden – und was wir uns sparen würden.

Telefon 05251 5311831 · WhatsApp 0170 6848120

Nächster Beitrag: Fels, der nicht wie Styropor aussieht

Porträt
Ferdi

Ferdi

Baut bei BraucheModellbahn die Anlagen und Dioramen – und probiert die Materialien vorher aus, die wir verkaufen.

Entstanden am 29.07. und 19.08.2026 in unserer Werkstatt · veröffentlicht am 07.09.2026