Digitaltechnik · Kaufberatung und Praxis
Ein Zugzielanzeiger, der echte Abfahrtszeiten holt, und eine Werbesäule, die ihr Motiv wechselt. Was diese Geräte können, wie sie Strom bekommen – und wo man sie hinstellt, damit sie wirken.
Die drei Sätze, wenn du’s eilig hast
Es gibt zwei Familien: den Zugzielanzeiger für den Bahnsteig und das Werbedisplay für das Bahnhofsumfeld. Beide laufen auf 5 Volt über USB-C, nicht am Gleisstrom – ein Spannungswandler versorgt bis zu vier Geräte. Und die Wirkung entscheidet nicht das Gerät, sondern der Inhalt: eine Anzeige, die zum Zug passt, der gerade einfährt.
Warum das mehr ändert als eine Beleuchtung
Eine Modellbahn ist zu 95 Prozent unbeweglich. Was sich bewegt, ist der Zug – und der ist irgendwann durch. Eine Anzeige, die ihren Inhalt wechselt, ist das einzige Element auf der Anlage, das auch dann etwas tut, wenn nichts fährt. Der Blick bleibt daran hängen, weil Bewegung immer gewinnt.
Dazu kommt ein Zweites, das man unterschätzt: Ein Zugzielanzeiger macht die Anlage erzählbar. Sobald dort „18:48 Hamburg Hbf“ steht, hat der Zug am Bahnsteig einen Auftrag. Er steht nicht mehr da, er wartet auf Abfahrt.
Zwei Familien, zwei Aufgaben
Die Geräte sehen technisch ähnlich aus, gehören aber an verschiedene Orte und erzählen Verschiedenes.
| Zugzielanzeiger | Werbedisplay | |
|---|---|---|
| Wo | Am Bahnsteig, auf filigranem Mast oder am Gebäude | Bahnsteig, Vorplatz, Fußgängerzone – freistehende Säule |
| Was es zeigt | Zeit, Ziel, Gleis, Zugname, Verlauf, Verspätung, sogar eine Wagenstandsanzeige | Videos und Bilder von SD-Karte, frei wählbar |
| Ausführung | Ein Gleis (Außenbahnsteig) oder zwei Seiten getrennt einstellbar (Mittelbahnsteig) | Beidseitig, Acrylglasfronten, Gehäuse mit kleinem Dach als Regenschutz |
| Display | 1,05 Zoll, 240 × 120 Pixel, zwei Stück | 1,05 Zoll, 120 × 240 Pixel, beidseitig |
Was der Zugzielanzeiger wirklich kann
Hier lohnt der genaue Blick, weil die Funktionsliste über das hinausgeht, was man von einem Anlagen-Zubehör erwartet.
Eigene Zugziele – und echte
Ziele, Abfahrtszeiten, Gleis, Zugname und Verspätungen gibt man selbst ein. Dazu kommt eine Funktion, die es im Modellbahnzubehör sonst nicht gibt: Das Gerät kann aktuelle reale Abfahrtszeiten deutscher Bahnhöfe anzeigen – laut Hersteller noch im Beta-Stadium. Wer seinen Heimatbahnhof nachbaut, kann ihn also in Echtzeit laufen lassen.
Für Anzeigen aus anderen Ländern gibt es einen Online-Bildgenerator; eigene Bilder lassen sich ebenfalls hochladen.
Drei Wege, die Anzeige zu schalten
Erstens über das Webinterface. Das Gerät bringt WLAN mit und wird im Browser konfiguriert – von PC, Tablet oder Handy, ohne die Anzeige anzufassen. Das ist der Weg für die Einrichtung und für spontane Änderungen.
Zweitens über Taster oder Intervall. Ein Kabel zum Anschluss eigener Taster liegt bei; alternativ schaltet die Anzeige zeitgesteuert weiter. Das genügt für Vorführbetrieb und für Ausstellungen.
Drittens über DCC. Mit dem separaten DCC-Adapter läuft die Steuerung über die Digitalzentrale: Zugziele lassen sich als Magnetartikel oder über Lokfunktionen auslösen, auch die Vor- und Zurück-Funktion. Man kann dafür eine virtuelle Lok anlegen, unter deren Funktionstasten alle Ziele eines Gleises liegen – ein eleganter Trick, der keine echte Lokadresse verbraucht. Die Konfiguration der Ziele bleibt dabei im Webinterface.
Anbindung an die Steuersoftware
Der Hersteller nennt eine mögliche Anbindung an TrainController, iTrain und Rocrail. Damit wird aus dem Anzeiger ein Teil des Betriebsablaufs: Wenn die Software den Zug auf Gleis 2 fährt, kann sie auch die Anzeige dazu stellen.
Wie tief diese Anbindung im Einzelfall geht, hängt an der jeweiligen Software. Wer das plant, sollte es vor dem Kauf mit uns durchsprechen – wir fragen im Zweifel beim Hersteller nach.
Der Strom – die Stelle, an der es scheitert
Hier machen die meisten den ersten Fehler, deshalb steht es als eigener Abschnitt. Die Geräte brauchen 5 Volt und werden über Standard-USB-C versorgt. Netzteil und Kabel liegen nicht bei – das ist bewusst so, weil fast jeder ein Handy-Netzteil im Haus hat.
Wer keine Steckerleiste unter der Anlage will, nimmt den Spannungswandler: Eingang 7 bis 25 Volt Gleich- oder Wechselspannung – also auch digitaler Gleisstrom –, Ausgang 5 Volt bei maximal 1 A für bis zu vier Displays. Anschließen lässt er sich mit offenen Kabelenden, mit SH1.0-Stecker oder mit einer Flachsteckhülse für Märklin C-Gleis.
Gut zu wissen
Die Displays niemals direkt an Gleis- oder Zubehörspannung hängen. Zwischen Anlagenspannung und Display gehört immer der Wandler oder ein 5-V-Netzteil – sonst ist das Gerät sofort hin, und dafür gibt es keine Garantie.
Der Hersteller weist zusätzlich aus: kein Spielzeug, nur für trockene Innenräume, nicht geeignet für Personen unter 14 Jahren.
Wohin damit – vier Regeln aus der Praxis
Auf unserer Anlage stehen beide Gerätetypen. Was wir dabei gelernt haben:
1 · Dorthin, wo der Betrachter ohnehin hinschaut
Ein Display ist der teuerste Blickfang der Anlage. Es gehört an die Stelle, an der Leute stehenbleiben – nicht in eine Ecke, die man nur von der Seite sieht.
2 · Nicht zu viele
Ein laufendes Display auf einem Bahnsteig zieht den Blick an. Vier laufende Displays heben sich gegenseitig auf und wirken wie ein Elektronikladen. Bei uns ist es einer pro Bahnhofsbereich, plus eine Werbesäule.
3 · Das Umfeld muss mithalten
Ein scharf gezeichnetes Display neben einer unbehandelten Bahnsteigkante macht die Kante schlechter, nicht das Display besser. Wo ein Display steht, gehören Figuren, eine Bänke, ein sauberer Belag hin. Der Blick landet dort – und sieht dann auch alles andere.
4 · Statisch und bewegt mischen
Neben unseren Displays hängen ganz normale, bedruckte Plakatwände. Das ist Absicht: Wenn alles leuchtet, wirkt nichts. Der Kontrast zum stillen Plakat macht das laufende Display erst zum Ereignis.
Und was zeigt man darauf?
Beim Werbedisplay ist das die eigentliche Arbeit – und der Punkt, an dem es persönlich wird. Auf der SD-Karte liegen über 50 voreingestellte Videos, aber eigene Motive sind schnell gemacht: PNG-Bilder in 120 × 240 Pixel, Videos im MJPEG-Format. Ist keine Karte eingesteckt oder wird sie nicht erkannt, zeigt das Gerät die auf dem Controller gespeicherten Bilder.
Bei uns laufen Motive der Marken, die wir führen – das ist ein Vorführ-Gag im Laden. Auf einer Heimanlage ist mehr drin: das Logo des örtlichen Getränkehandels, eine Plakatkampagne aus der Epoche, die die Anlage darstellt, das Kino-Programm von 1978. Genau hier entscheidet sich, ob das Gerät Spielerei bleibt oder Teil der Geschichte wird.
Grundlagen · 1,05 Zoll, 240 × 120, MJPEG – was heißt das?
1,05 Zoll ist die Bildschirmdiagonale, also rund 27 Millimeter. In H0 entspricht das etwa 2,3 Metern beim Vorbild – die Größenordnung einer echten Bahnsteiganzeige.
240 × 120 Pixel ist die Auflösung. Das klingt nach wenig, ist auf 27 Millimetern aber sehr fein: Man kann längere Texte und eine Wagenstandsanzeige lesbar darstellen. Wichtig ist die Reihenfolge – beim quer eingebauten Zugzielanzeiger 240 × 120, beim hochkant stehenden Werbedisplay 120 × 240.
MJPEG ist ein Videoformat, bei dem jedes Einzelbild für sich gespeichert wird. Es braucht mehr Platz als moderne Formate, lässt sich aber von einfacher Elektronik ohne Weiteres abspielen – deshalb nehmen es Geräte dieser Größe.
Over-the-Air aktualisierbar heißt: Die Software des Geräts lädt Updates selbst über WLAN. Man muss es nicht ausbauen und an den Rechner hängen – bei einem eingeklebten Bahnsteigmast ein echtes Argument.
Für Fortgeschrittene · Einbau, Farbtreue, Ausbau auf mehrere Anzeigen
Die Elektronik sitzt nicht im Mast. Der Zugzielanzeiger wird über ein Flachbandkabel mit einem externen Controller verbunden. Das ist für den Einbau der wichtigste Punkt: Unter dem Bahnsteig muss nur ein flaches Kabel durch, nicht eine Platine. Der Controller kann unter der Anlage sitzen, dort, wo man ihn erreicht.
Vier Displays pro Wandler. Der Ausgang liefert 5 V bei maximal 1 A für bis zu vier Geräte mit SH1.0-Anschluss. Wer einen großen Bahnhof plant, rechnet in Vierergruppen und legt pro Gruppe eine Zuleitung – das ist sauberer als eine Ringleitung mit Abzweigen.
RAL 5022, Nachtblau. Der Hersteller gibt an, dass die blaue Farbe der Anzeige RAL 5022 entspricht – dem Ton, der in deutschen Bahnhöfen verwendet wird. Wer weitere Bahnsteigelemente selbst baut oder lackiert, hat damit den passenden Farbwert und muss nicht raten.
Ein Gleis oder zwei. Die Variante für den Außenbahnsteig bedient ein Gleis; die Mittelbahnsteig-Variante ist technisch gleich, lässt aber beide Seiten getrennt einstellen. Bei einem Mittelbahnsteig mit zwei Gleisen ist das kein Komfort, sondern Voraussetzung – sonst zeigt die Rückseite den falschen Zug.
Der Betriebsablauf. Wer mit TrainController, iTrain oder Rocrail fährt, sollte die Anzeige von Anfang an als Teil der Fahrstraße denken, nicht als Deko. Ein Anzeiger, der beim Einfahren umschaltet, ist etwas ganz anderes als einer, der im Intervall durchläuft.
Drei Fehler, die wir immer wieder sehen
1 · Am Gleisstrom betreiben
Verständlich, weil die Spannung da ist – und trotzdem der Totalschaden. Zwischen Anlage und Display gehört der Wandler. Er kostet 18 Euro und das Display ein Vielfaches davon.
2 · Erst einbauen, dann an die Kabelführung denken
Das Flachbandkabel braucht einen Durchbruch, und der gehört gebohrt, bevor der Bahnsteig fertig ist. Nachträglich bohrt man in eine belegte, begrünte Fläche – siehe unseren Beitrag zum Rohbau: Aussparungen plant man mit.
3 · Inhalt vergessen
Ein Gerät, auf dem monatelang dasselbe Demovideo läuft, ist nach zwei Wochen unsichtbar. Zehn Minuten für eigene Motive machen aus dem Zubehör einen Teil der Anlage.
Was du dafür brauchst
Ein Gerät plus Stromversorgung ist der Einstieg. Netzteil und USB-C-Kabel liegen bei keinem Gerät bei – ein Handy-Netzteil genügt.
| Position | Wofür | Preis |
|---|---|---|
| Zugzielanzeiger Außenbahnsteig ein Gleis, zwei Displays · N11720 |
Bahnsteig an einem Gleis | 169,90 € |
| Zugzielanzeiger Mittelbahnsteig beide Seiten getrennt einstellbar |
Mittelbahnsteig mit zwei Gleisen | 199,00 € |
| Acrylglas-Videodisplay beidseitig, SD-Karte mit 50+ Videos |
Werbesäule im Bahnhofsumfeld | 89,00 € |
| Spannungswandler 5 V 7–25 V AC/DC ein, 5 V / 1 A aus · N11722 |
Strom für bis zu vier Displays | 18,00 € |
| DCC-Adapter Steuerung über die Digitalzentrale · N11723 |
optional, für Betrieb aus der Zentrale | 19,00 € |
| Einstieg: Anzeiger + Wandler | läuft sofort, ohne DCC | 187,90 € |
Zur Lieferbarkeit: Der Hersteller baut diese Geräte als Manufaktur in Kleinserien – deshalb ist einzelnes zeitweise in der Nachproduktion. Das ist die Kehrseite davon, dass hier niemand Container aus Fernost bestellt: Jedes Gerät wird gebaut, nicht abgefüllt. Der aktuelle Stand steht immer auf der Artikelseite; ruf uns an, wenn du planst, dann sagen wir dir, wann wir womit rechnen.
Dazu aus der Werkstatt: ein 5-V-USB-Netzteil und ein USB-C-Kabel (beides nicht im Lieferumfang), ein Bohrer für den Kabeldurchbruch, und für eigene Motive ein beliebiges Bildprogramm – PNG, 120 × 240 Pixel.
Häufige Fragen
Brauche ich eine Digitalzentrale?
Muss ich löten?
Wie realistisch sind die „echten“ Abfahrtszeiten?
Geht das auch in Spur N?
Kann ich Anzeigen anderer Bahnverwaltungen darstellen?
Vorher planen →
Vom Brett zur Trasse – Kabeldurchbrüche und Bahnsteigflächen gehören in den Rohbau.
ESU Produktwelt →
ECoS, LokPilot, LokSound, SwitchPilot, Rückmeldung – sortiert nach Aufgabe, nicht nach Artikelnummer.
Die LoDi-Welt →
Das modulare System von Lokstoredigital: Rückmeldung, Weichen, Servos, Booster – Stück für Stück erweiterbar.
Unsicher, welche Variante zu deinem Bahnhof passt?
Schreib uns, wie dein Bahnsteig aussieht – Außen- oder Mittelbahnsteig, wie viele Gleise, ob du mit einer Steuersoftware fährst. Wir sagen dir, welches Gerät passt und was du an Strom und Kabel wirklich brauchst. Bei uns im Showroom laufen beide Typen; wer vorbeikommt, sieht sie in Betrieb.
Telefon 05251 5311831 · WhatsApp 0170 6848120
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Andreas
Andreas
Technik · Werkstatt Paderborn
Andreas ist bei uns für die Technik zuständig: er prüft die Modelle aus dem An- und Verkauf und ist der, den wir fragen, wenn es um Strom, Signalwege und Ansteuerung geht. Die Displays in unserem Showroom hat er eingebaut und eingerichtet – und dabei herausgefunden, worauf es beim Kabelweg und beim Inhalt ankommt.
Aufnahmen von Mai bis August 2026 aus unserem Showroom · veröffentlicht am 07.09.2026